Das kleine blaue Quadrat

Die ALs (altersgemischten Lerngruppen) und die Förderklassen G und L haben in einem Projekt eine Anrgung der "Grundschulzeitschrift" (74/1994) aufgenommen und zu der Geschichte vom blauen Quadrat ein Büchlein gestaltet.
Die Arbeit erstreckte sich fächerübergreifend (Deutsch, Mathematik, Kunstunterricht, Sachunterricht) über etwa drei Wochen.
Unsere Erfahrungen waren überwiegend positiv - die Kinder waren durch die Geschichte sehr motiviert, die vielen Faltarbeiten sorgfältig auszuführen und die Seiten liebevoll zu gestalten, und jedes Kind wollte sein Büchlein fertig stellen und es den Eltern und auch anderen Mischülern vorstellen.


1. Es war einmal ein kleines, blaues Quadrat. Das war sehr traurig, denn niemand wollte mit ihm spielen.

2. Es seufzte: "Ach, wäre ich doch nur so schlank wie mein Bruder Rechteck oder so rund wie mein Vetter Kreis. Das wäre schön."


3. "Hätte ich doch wenigstens die herrlichen Spitzen von meiner kleinen Schwester Dreieck. Damit könnte man wunderbar spielen. An mir ist aber auch gar nichts Besonderes. Alle meine Seiten sind gleich langweilig!" Und gähnend legte es sich auf die Seite, schloss die Augen und schlief ein.

4. Im Traum erschien ihm der Zauberer Funkelhut und sprach: "Warum bist du so traurig, kleines Quadrat? Kann ich dir helfen?" "Oh bitte schön, Herr Zauberer, lass mich nicht länger ein langweiliges, blaues Quadrat sein. Bitte verwandle mich in ein lustiges, spitzes Dreieck!" Was heißt hier Dreieck?", sprach der Zauberer. Ein Kopftuch sollst du werden! Das kommt mir gelegen. Ich verschenke dich an meine Freundin, die Hexe Wackelschurf. Vielleicht nimmt sie dann meine Einladung an, mit mir in der alten Mühle am See zu stöbern. Ich will dort nach einem verborgenen Schatz suchen. Leider will die Hexe so ungern mitkommen, weil es dort immer so windig ist!" Und im Nu verwandelte er das Quadrat in ein buntes Kopftuch.

5. Dann nahm er Feder und Tinte und schrieb der Hexe einen Brief. "Liebe Freundin! Erwarte dich beim nächsten Vollmond an der alten Mühle. Dein Zauberer Funkelhut."


6. "Was soll das?", rief die Hexe, als sie den Brief erhielt. "Habe ich mir doch im Winter diesen schrecklichen Schnupfen geholt, den ich gar nicht wieder los werden kann." Und sie holte sich zum 13. Mal an diesem Tag ein sauberes Taschentuch. Nachdem sie tüchtig ihre lange Nase geputzt hatte - Hexen brauchen dafür sehr viel Zeit - war ihr erster Gedanke: Was soll ich denn nur anziehen bei solch einem Ausflug?


7. Dann durchsuchte sie ihren Schrank.




8. Sie fand einen alten, abgetragenen Umhang. "Das ist genau das Richtige"; rief sie. "Der hält schön warm." Sie probierte ihn gleich an.


9. Dann schaute sie in ihren Spiegel. Sie fand sich hinreißend schön, und schön wollte sie für ihren Freund unbedingt sein.


10. Am Abend vor dem ersten Vollmond briet die Hexe Wackelschurf einen dicken Fisch.


11. Als Nachtisch knabberte sie eine Tafel Schokolade.




12. Dann schaute sie durch ihr Fenster. Der Mond stand voll und rund am Himmel. Es war Zeit, sich auf den Weg zu machen.

Weiter